02. und 03. Juni 2026
ITV.SH Forum 2026
Zum vierten Mal fand das „ITV.SH Forum – Digitalisierung im kommunalen Dialog“ im Congress Centrum der Holstenhallen in Neumünster statt.
In Vorträgen, Podiumsdiskussionen und anhand von Best-Practice-Beispielen wurden Aspekte aus der Verwaltungsdigitalisierung, IT-Sicherheit und Künstlichen Intelligenz eingeordnet, präsentiert und diskutiert.
Die Highlights am Dienstag, 02.06.2026
Wie gelingt digitale Transformation in Kommunen? Welche Rolle spielen Künstliche Intelligenz, moderne Verwaltungsinfrastrukturen und wirksames Change Management? Und wie können Land, Kommunen und weitere Akteure die Digitalisierung gemeinsam voranbringen?
Antworten auf diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt des ITV.SH Forums 2026, zu dem der ITV.SH zahlreiche Vertreter:innen aus Verwaltung, Politik und kommunalen Einrichtungen begrüßen durfte. In Vorträgen, Workshops und persönlichen Gesprächen wurde deutlich: Die digitale Zukunft der Verwaltung entsteht durch Zusammenarbeit, Praxisnähe und den Mut zur Veränderung.
Nach der Begrüßung durch Dirk Schrödter, Digitalisierungsminister und Chef der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein, sowie Matthi Bolte-Richter, Geschäftsführer des ITV.SH, startete das Programm mit einer inspirierenden Keynote von Dr. Dorit Bosch. Unter dem Titel „Jetzt. Hier. Gemeinsam – Die neue Ära der kommunalen Mitgestaltung“ zeigte sie auf, wie Beteiligung, Zusammenarbeit und neue Formen der Mitgestaltung den Wandel in Kommunen erfolgreich begleiten können.
Im weiteren Verlauf des Vormittags standen die Potenziale von Künstlicher Intelligenz und die Bedeutung eines wirksamen Veränderungsmanagements im Fokus. Wiebke Apitzsch (AI.IMPACT) verdeutlichte anhand praktischer Beispiele, wie Organisationen KI-Potenziale identifizieren und erfolgreich in Projekte überführen können. Anschließend gaben Eileen Fobian und Christoph Schweizer von der Stadtwerke Lübeck Digital GmbH Einblicke in erfolgreiches Change Management und zeigten, wie aus einzelnen Projekten nachhaltiger organisatorischer Wandel entstehen kann.
Parallel führten Kathleen Gerlach und David Nachtigall vom ITV.SH in die Grundlagen der Verwaltungsdigitalisierung mit Informationen zu OZG, Basiskomponenten und zentralen digitalen Strukturen ein. Wiebke Apitzsch und Moritz Stamer diskutierten im Workshop „Vertell doch mal – KI-Projekte bei uns im Norden“ konkrete Erfahrungen und Anwendungsfälle aus der Region.
Nach der Mittagspause richtete sich der Blick auf aktuelle Entwicklungen der Verwaltungsdigitalisierung in Schleswig-Holstein. Sven Thomsen, CIO des Landes Schleswig-Holstein, informierte über den aktuellen Stand der Digitalisierung, strategische Schwerpunkte für die kommenden Jahre sowie geplante Kooperationen für 2027 und Eileen Fobian zeigte in einem interaktiven Workshop praxisnahe Methoden für erfolgreiche Veränderungsprozesse und gab Impulse für resiliente Teams im kommunalen Wandel.
Im Anschluss stellten Vertreterinnen und Vertreter des ITV.SH gemeinsam mit der Staatskanzlei konkrete digitale Lösungen für die Verwaltung vor. Die Präsentation der Online-Register-Plattform (ORP) zeigte, wie Registerdaten künftig effizienter genutzt werden können. Ebenso wurde deutlich, welchen Beitrag digitale Infrastrukturangebote wie X-Road SH leisten, um Verwaltungsprozesse einfacher, sicherer und vernetzter zu gestalten.
Mit dem „MortiLotse“ wurde eine innovative digitale Lösung vorgestellt. Sebastian Großkreutz (Kreis Plön) und Dr. Kai Giermann (Kreis Schleswig-Flensburg) präsentierten die digitale Todesbescheinigung auf Basis der Open-Source-Fachanwendung GA-Lotse und zeigten das Potenzial gemeinsamer digitaler Entwicklungen in Schleswig-Holstein.
Ein besonderer Schwerpunkt lag zudem auf der Krisenresilienz der Verwaltung. Im abschließenden Impuls mit Publikumsdiskussion zum Thema „Verwaltung stark im Krisenfall“ diskutierten Dr. Ingmar Soll (Dataport AöR) und Matthi Bolte-Richter aktuelle Herausforderungen der zivilen Verteidigung und die Rolle leistungsfähiger Verwaltungsstrukturen in Krisensituationen.
Neben den fachlichen Inhalten bot das ITV.SH Forum wie immer auch Gelegenheiten zum persönlichen Austausch. Beim abschließenden Get-together nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen zu teilen und bestehende Kooperationen zu vertiefen.
Die Highlights am Mittwoch, 03.06.2026
Den zweiten Forumstag eröffente, neben der Begrüßung von Matthi Bolte-Richter, Neumünsters Oberbürgermeister Tobias Bergmann. Dr. Ilona Benz machte anschließend in ihrer Keynote “Zukunft? Wird vor Ort gemacht!” deutlich, dass die erfolgreiche Gestaltung der digitalen Transformation vor allem auf kommunaler Ebene beginnt und eine klare Vision sowie strategisches Handeln erfordert.
Im weiteren Verlauf standen zentrale Bausteine einer modernen Verwaltung im Mittelpunkt. Dr. Alanus von Radecki zeigte auf, welche Bedeutung qualitativ hochwertige Daten für kommunale Entscheidungen haben und wie eine nachhaltige Datenstrategie entwickelt werden kann. Anika Groß von der KGSt beleuchtete die Herausforderungen und Chancen kommunaler digitaler Souveränität und stellte Wege vor, wie Kommunen ihre Handlungsfähigkeit in einer zunehmend digitalen Welt stärken können.
Heike Ghiladi vom ITV.SH informierte die Teilnehmenden anschließend über den aktuellen Projektstand bei den hybriden Gremiensitzungen.
Parallel zeigte Dr. Ingmar Soll in seinem Vortrag „Warum Verteidigung ganzheitlich gedacht und im Rahmen einer neuen Sicherheitsarchitektur für das 21. Jahrhundert aufgebaut werden sollte“ auf, warum moderne Sicherheitsstrategien weit über technische Schutzmaßnahmen hinausgehen müssen und wie eine resiliente Sicherheitsarchitektur für Staat und Verwaltung aussehen kann.
Kathleen Gerlach und Maximilian Prösch (ITV.SH) präsentierten in einer Produktdemo die Lösung MODUL-F. Die Teilnehmenden erhielten einen praxisnahen Einblick in die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten des Systems sowie dessen Mehrwert für die digitale Verwaltungsarbeit.
Mit einem eindrucksvollen Erfahrungsbericht folgte die Best-Practice-Session „Sicherheit konkret – Praxisbericht aus einer von Cyberangriffen betroffenen Kommune“. Andreas Hasenberg (ehemals IT-Leiter der Stadt Witten) schilderte offen die Auswirkungen eines Cyberangriffs, die daraus gewonnenen Erkenntnisse und die Maßnahmen, die Kommunen für eine bessere Vorbereitung und Krisenbewältigung ergreifen können.
In seinem Vortrag „Kooperation, Föderation & Interoperabilität – E-Government-Infrastrukturen des Landes für kommunale Behörden“ erläuterte Dr. Moritz Karg von der Staatskanzlei Schleswig-Holstein, wie gemeinsame Infrastrukturen und interoperable Lösungen die digitale Verwaltung stärken und den Austausch zwischen den Ebenen erleichtern können.
Anhand des „Lebenszyklus einer Akte aus digitaler Sicht“ wurden von der KOSDA Anforderungen und Herausforderungen moderner Aktenführung beleuchtet. Im anschließenden Netzwerktreffen zur digitalen Langzeitarchivierung nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung.
Am Nachmittag rückte die digitale Resilienz der Kommunen in den Fokus. Jutta Horstmann von der Heinlein Gruppe zeigte mit ihrem Vortrag zur Betriebs-Kontinuität auf, wie Kommunen sich gegen Ausfälle und Krisensituationen wappnen können. Den Abschluss im großen Vortragssaal bildete eine Podiumsdiskussion mit Anika Groß, Jutta Horstmann und Matthi Bolte-Richter. Gemeinsam diskutierten sie die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer souveränen digitalen Verwaltung und betonten die Bedeutung von Zusammenarbeit, offenen Standards und nachhaltigen Strategien.
Zum Abschluss stand ein besonders praxisnahes Beispiel für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung auf dem Programm. Philipp Goetting und Bürgermeisterin Julia Samtleben von der Gemeinde Stockelsdorf präsentierten gemeinsam mit Dr. Niklas Sievers (Zaitgeist) den KI-Telefonassistenten „Charly“. Die Teilnehmenden erfuhren, wie die Lösung Bürgeranfragen effizient bearbeitet, Mitarbeitende entlastet und gleichzeitig den Bürgerservice verbessert.